Politik muss weiteren Schaden verhindern
Unternehmen Milch kritisiert scharf die
jüngsten Veröffentlichungen des Bundesverbandes Deutscher
Milchviehhalter (BDM). Mit grellen Events wie einer so
genannten „Milchparade“ und obskuren Musterrechnungen
versucht der BDM, angesichts zunehmender Kritik die
eigenen Misserfolge in der Öffentlichkeit schön zu reden.
Das Ziel, den Bauern einen Milchauszahlungspreis in Höhe
von 43 Cent zu verschaffen, hat er offenbar aufgegeben.
Stattdessen werden aberwitzige Milchmädchenrechnungen
präsentiert, die den Bauern weismachen sollen, der
Milchstreik habe sich gerechnet. Das ist ein plumper
Versuch, die deutschen Milchbauern für dumm zu verkaufen.
„Die Bauern haben längst ihre eigenen Rechnung
aufgemacht, der Milchstreik hat die deutschen Bauern viel
Geld gekostet,“ bilanziert Fritz Jäger, Sprecher von
Unternehmen Milch. Die Mehrheit der deutschen
Milcherzeuger wird am 16. Oktober nicht Fähnchen
schwingend durch die Berliner Straßen ziehen, sondern
realisiert mit klarem Verstand den Scherbenhaufen, den
der Milchstreik der deutschen Milchlandschaft
hinterlassen hat. Fritz Jäger appelliert an die
Länderagrarminister, sich bei den anstehenden
Entscheidungen im Bundesrat nicht durch sachfremde
Behauptungen und Showinszenierungen in die Irre führen zu
lassen, denn
1. Der
Milchstreik wurde bundesweit betrachtet nur von einer
Minderheit unterstützt
2.
Der Milchstreik hat das gesetzte Ziel nicht erreicht
3.
Der Milchstreik hat den deutschen Bauern Marktanteile
gekostet
4.
Preiserhöhungen lösten Absatzrückgänge aus
5.
Einseitige Mengenreduzierungen verschaffen der Konkurrenz
Wettbewerbsvorteile
6.
Einseitige Mengenreduzierungen der deutschen Bauern
treiben die Kosten nach oben
7.
Milchquote und Planwirtschaft
schaden letztlich den
Familienbetrieben
Der Milchstreik wurde
bundesweit betrachtet nur von einer Minderheit
unterstützt
Während des zehntätigen Milchstreiks wurden 260 Mio. kg
Rohmilch weggeschüttet. Das sind rund 30 % weniger
Rohstoff, die an die deutschen Molkereien angeliefert
wurden. (Quelle ZMP). Von einer überwältigenden
Streikbeteiligung kann überhaupt nicht die Rede sein.
Trotz vollmundiger Ankündigungen leerten sich durch den
Milchstreik die Kühlregale nicht.
Erst illegale Blockaden erzwangen Lieferengpässe.
Der Milchstreik hat
die gesetzten Ziele nicht erreicht
Die vom
Lebensmitteleinzelhandel (LEH) in Aussicht gestellte
Erhöhung der Trinkmilchpreise kam ommt nur wenigen Milcherzeugern zu Gute.
Andere Verwertungen wie Käse, Milchpulver oder Joghurt
erzielten keine Mehrerlöse. Teilweise mussten Molkereien
den Auszahlungspreis zurücknehmen, um Streikschäden zu
kompensieren. Daher gab es deutschlandweit keinerlei
positive Auswirkungen auf den Auszahlungspreis. Die
Streiker bleiben auf den Mindereinnahmen für die
weggeschüttete Milch sitzen und die Kosten des Streiks
müssen von allen Bauern gemeinsam getragen werden.
Der Milchstreik hat
deutsche Bauern Marktanteile gekostet
Schon während
des Milchstreiks reagierte der Markt auf die
Lieferengpässe, die hauptsächlich auf rechtswidrige
Blockaden zurückzuführen waren. Während des Streiks
lieferten nach Angaben der Fachpresse französische
Unternehmen 60 Mio. kg Milch mehr nach Italien. Der
Italienmarkt konnte nach dem Streik nur noch teilweise
von deutschen Anbietern zurückerobert werden. Der LEH
ordert nach dem Milchstreik verstärkt ausländische
Milchprodukte, um sich von deutschen Anbietern unabhängig
zu machen, berichteten Fachleute etwa in der
Lebensmittelzeitung. Außerdem kann der LEH damit die
Milchstreikzusage (Preiszuschlag gilt nur für deutsche
Trinkmilch ) unterlaufen. Im ersten Halbjahr dieses
Jahres wurden 30 % mehr ausländische Rohmilch nach
Deutschland eingeführt. Die Einfuhr von abgepackter Milch
stieg sogar um 35 %. Fritz Jäger zieht eine bittere Bilanz:
„Der Milchstreik öffnete der EU-Konkurrenz Tür und Tor
zum deutschen Milchmarkt“.
Einseitige
Mengenreduzierung verschaffen der Konkurrenz
Wettbewerbsvorteile
Der BDM steht mit seinem Konzept der Mengenreduzierung
innerhalb der EU alleine da. Unsere Kollegen in der EU
bereiten sich systematisch auf das Auslaufen der
Milchquote 2015 vor. Sie optimieren die
Betriebsstrukturen und setzen auf Kostenreduzierung durch
sinkende Quotenpreise. Im ersten Halbjahr 2008 wurde in
der EU eine Million Tonnen mehr Milch angeliefert. Darum
hatte der Milchstreik der deutschen Bauern auf die
EU-Milchmenge und damit auf die Preisentwicklung der
Rohmilch keinerlei Auswirkungen! Die aktuell moderate
Anlieferung der deutschen Bauern wird durch
Produktionserhöhungen anderer EU-Staaten voll
aufgefangen. Alleine Frankreich erhöhte seine
Milchproduktion um 6,5 % im ersten Halbjahr 2008. In
keinem anderen EU-Land werden stringentere
Mengenbegrenzungen gefordert, ganz im Gegenteil. Die
Niederländer, Polen, Tschechen fordern 5 % mehr Quote im
kommenden Jahr und die Italiener gar 10 %
Quotenaufstockung. Vor dem aktuellen Hintergrund wäre ein
deutsches Sonderopfer geradezu absurd und würde weitere
Marktanteile kosten.
Mengenreduzierungen
der Deutschen Bauern treibt die Kosten nach oben
Das vom BDM geforderte Maßnahmenpaket
(Belassung der 2 % igen Quotenerhöhung in der nationalen
Reserve, die Änderung des Umrechnungsfaktors und die
Abschaffung der Saldierung) würde auf eine einseitige
nationale Mengenreduzierung um ca. 3% Milchmenge
hinauslaufen. Diese faktische Quotenkürzung würde
Auswirkungen auf den Quotenpreise entfalten, die
künstliche Verknappung der deutschen Quote höhere
Quotenpreise und damit insgesamt steigende n
Produktionskosten nach sich ziehen. Eine
Mengenreduzierung bei Milch erhöht also zwangsläufig die
Kosten (pro erzeugtem kg Milch) der Bauern und höhere
Quotenkosten belasten wachstumswillige Betriebe
zusätzlich.
Preiserhöhungen
lösten Absatzeinbruch aus
„Der wahren Gründe für die aktuelle
Milchmarktmisere werden verkannt“, stellt Fritz Jäger
fest. Die Preiserhöhungen im Herbst 2007 haben zu einer
massiven Kaufzurückhaltung bei Milchprodukten geführt.
Eine ZMP - Marktstudie hat die Zusammenhänge zwischen
Preiserhöhungen bei Milchprodukten und verändertem
Kaufverhalten klar belegt. Einige Erkenntnisse in der
Zusammenfassung: Von September bis Dezember 2007 ging die
durchschnittliche Menge an Konsummilch je Haushalt im
Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode um 5,1%
zurück. Von November 2007 bis März 2008 haben die
Privathaushalte 4,9% weniger Käse gekauft. Nach dem
Butterschock im August reduzierte sich die
Käuferreichweite massiv. Der deutschen Markenbutter
fehlten von September bis November Monat für Monat im
Schnitt mehr als eine Million Kunden. Alle Umfragen, die
belegen sollen, dass Kunden bereit seien, mehr für
Milchprodukte zu zahlen, sind statistisch unseriös,
fragen nur ein "erwünschtes Verhalten" ab. Steigen die
Preise, wird weniger oder billiger gekauft, das ist Fakt.
Eine Preiserhöhung ohne Reaktion der Kunden gibt es
nicht.
Bestätigt werden
diese Zahlen durch das IFE: Milchlieferboykott im
Frühjahr 2008: Effekte?
Eine Mengensteuerung
mit Quote schadet den Familienbetrieben
„Ein planwirtschaftliches System aus
Mengebegrenzung und Quote führt unsere Milchviehbetriebe
direkt in die Sackgasse“, ist sich Fritz Jäger sicher. Er
bezieht sich auf Untersuchungen aus Kanada. Das dortige
geschlossene Milchproduktionssystem wird oft als
positives Beispiel genannt.
Die Wirklichkeit zeichnet ein anderes Bild. Das Frontier
Centre for Public Policy, Winnipeg, hat eine
erschütternde Studie unter dem Titel “Is Quota Helping to
Kill the Family Farms?“ veröffentlicht.
Klares Ergebnis der Studie: Je
höher die Quotenpreise in einem geschlossenen
Milchmengensystem steigen, desto schneller erfolgt der
so genannte Strukturwandel, also der Ausstieg aus der
Milchviehhaltung (Anlage ).
Großbetriebe überleben und Familienbetriebe werden
zerstört. Zudem wird die Milchindustrie völlig vom
Wettbewerb abgeschottet und verzeichnet keinerlei
Produktivitätsfortschritte. „Wer aktiven
Familienbetrieben zukunftsgerichtet helfen will, muss die
Quote entwerten,“ fordert Fritz Jäger von Unternehmen
Milch.
Fritz Jäger,
Bundessprecher, Tel. 07976-213
siehe auch Presse
Weitere Experten zur Vertiefung der Materie:
Zum Thema Exportanteile der deutschen Milcherzeuger,
sowie Milchanlieferung usw.:
Dr. Hans-Jürgen Seufferlein, Verband der Bayerischen
Milcherzeuger e.V., Tel. 089 - 55873 - 725
Zum Thema Zahlen rund um Milchpreise, Saldierung,
Umrechnungsfaktor, usw.:
Georg Keckl, Agrarstatistik, Tel. 0511-98983441
Zum Thema Marktzahlen, Absatz Milchprodukte usw.:
Erhard Richarts, ife Informations- und Forschungszentrum
Ernährungswirtschaft e.V., E-Mail an Herrn Richarts
schicken
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