Internationales Treffen der Milcherzeuger am Bodensee


Stallbesichtigung in Wangen - bigger
Am 24. Juni 2009 trafen sich Milcherzeuger aus fünf Nationen auf Einladung von Wilhelm Neu und Marcel Renz am Bodensee zu einem Meinungsaustausch. Höchst interessant war es zu hören, wie in anderen Ländern gedacht und gehandelt wird. Heiß diskutiert wurde, wie auf das weltweite Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu reagieren sei.
Österreich und Frankreich wollen die letzte Quotenaufstockung von 1 % einbehalten und in die nationale Reserve stellen. Frankreich will darüber hinaus die Saldierung auf Molkereiebene einschränken. Der französische Vertreter Denis Ramspacher (FDSEA) erläuterte das Modell des franz. Empfehlungspreises. Der verhandelte Empfehlungspreis von 28 Cent ist ein Jahrespreis und je nach Verwertung und Region sind Abweichungen nach unten bis auf 25 Cent möglich. Dennoch können einige Molkereien diesen Preis am Markt nicht erwirtschaften (Beispiel Enteremont). Der durchschnittliche Milchpreis lag in Frankreich im April 2009 bei 24,4 Cent/kg. (Quelle ZMB).
Die Kollegen aus der Milchgenossenschaft Niederösterreich berichteten, dass es in Österreich ebenfalls Versuche mit einem A,B Preismodell gibt. Sie bezweifeln, ob der Einbehalt der Milchquotenerhöhung einen Effekt haben wird, da Österreich lediglich 2 % der EU-Milchmenge erzeugt.
Ob eine solche Maßnahme auf die Milchpreise stabilisierend wirken wird, ist tatsächlich fraglich, denn in anderen EU-Ländern geht die Entwicklung genau in die andere Richtung. Spanien hat jüngst die Quoten aus der nationalen Reserve um 6% aufgestockt und  kostenfrei an die Bauern verteilt. Dadurch soll die Abhängigkeit von französischen Milchimporten verringert werden.
In Italien war die Quote nie ein Thema (Zitat der ital. Teilnehmerin, Frau Dr. Casa). Die Milchpreise in Südtirol bewegen sich aktuell um die 30 Cent. Die Verbraucher kaufen Milchprodukte regional sehr bewusst ein. Der niederländische Vertreter, Jacob Mulders (LTO) machte darauf aufmerksam, dass nur 25% der Weltmilchproduktion durch Beschränkungen regelt sei. Dagegen werden 75 % der Weltmilchmenge völlig frei produziert.  In den Niederlanden herrscht die Ansicht vor, dass die Bauern für den Export produzieren, daher führt eine Quotenkürzung nur zum Verlust von Marktanteilen. Eine Mengenbegrenzung auf Molkereieben kann sich Mulders nicht vorstellen. Ihre Milchgenossenschaft garantiert, dass auch wachsende Betriebe ihre Milch voll abliefern können. Aus der Schweiz berichtet Rolf Luginbühl (MPM,PMO MIMO) wie sich die Situation einen Monat nach dem Auslaufen der Quote darstellt. Die Milchanlieferung ist hoch und es muss in den EU-Raum exportiert werden. Seine Milchgenossenschaft (Mittelland Suhr) hat ein molkereiinterne Mengensystem aufgebaut. Wachstumswillige Milcherzeuger müssen Lieferrechte kaufen oder mieten. Er erläuterte, dass ein letzter Anlauf unternommen werde, um eine Branchenorganisation für die Schweiz aufzubauen. (Dies ist am 29. Juni gelungen). Die BO Milch besteht aus 50 Organisationen und Unternehmen, die 95 Prozent der Schweizer Milchmenge produzieren und verarbeiten. Welche Kompetenzen sie haben soll, ist noch unklar. Die Schweizerische Milchindustrie lehnt die Festsetzung des Milchpreises durch die BO Milch ab.
Wilhelm Neu stellte ein Konzept zur Steuerung der Milchmenge auf Molkereiebene als Diskussionsgrundlage vor. In Deutschland werden Modelle erprobt, um über zwei verschiedene Auszahlungspreise einen Anreiz zum Einhalt der Quote anzubieten. Praktische Erfahrungen mit den Auswirkungen eines gesplitteten Auszahlungspreises liegen noch nicht vor. Marcel Renz führte aus, dass Milcherzeuger einen kalkulierbaren Auszahlungspreis brauchen. Er plädierte dafür, Milchlieferverträge über Menge, Preis und Zeit zu vereinbaren. Durch die Aufnahme der Liefermenge in die Kontrakte ließe sich die Anlieferung in den Griff bekommen.
Die Diskussion offenbarte, dass die nationalen Interessen der einzelnen Länder bei der Bewältigung der Milchkrise im Vordergrund stehen. EU-Länder mit geringer Quotenausstattung wie z.B. Polen und Spanien fordern Quotenerhöhungen, während andere Länder die Produktion eher drosseln wollen. Die Teilnehmer gehen davon aus, dass das Auslaufen der Milchquote unumkehrbar ist. Einigkeit herrschte in der Auffassung, dass wir gemeinsam die Vorzüglichkeit der Milchprodukte besser bewerben müssen, um der fortschreitenden Konkurrenz von Imitaten Parole zu bieten. Ferner sollen mehr Milchfett- und Eiweiß im Tierfutter verarbeitet werden.
Über den weiteren Verlauf der Milchanlieferung lassen sich derzeit keine zuverlässigen Prognosen erstellen. Im ersten Quartal war die Milchanlieferung in der EU im Verhältnis zum Vorjahr noch leicht gestiegen. Allerdings waren z.B. in Frankreich im ersten Quartal die Auszahlungspreise noch verhältnismäßig hoch. Mittlerweile sind in die Auszahlungspreis Eu-weit stark gesunken, weshalb eine verhaltenere Anlieferung erwartet wird. Der internationale Gedankenaustausch soll fortgesetzt werden.

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