Unternehmen Milch fordert Korrekturen am geplanten EEG
10.06.2011 Katerogie: Pressemitteilungen
Als Landwirte und Milcherzeuger befürworten wir den Ausbau der regenerativen Energiegewinnung, aber der Regierungsentwurf zur Reform des EEG bedarf aus Sicht der Milcherzeuger dringend einiger Korrekturen. Wir sind in großer Sorge, dass sich eine Umsetzung der aktuellen Planung negativ auf die Entwicklung des ländlichen Raumes, der Landwirtschaft und insbesondere der Milcherzeuger auswirkt. Die geplante finanzielle Bevorzugung großer industrieller Biogasanlagen kann die heute bereits äußerst fragile Balance zwischen den verschiedene Verwertungsarten ganz aus den Fugen geraten lassen. Selbst die besten Veredelungsbetriebe können den massiven, wettbewerbsverzerrende Auswirkungen des geplanten EEG kaum etwas entgegen setzen. Wir Milcherzeuger geraten national und im europäischen Wettbewerb ins Hintertreffen, weil wir in Deutschland Pachtflächen und Futtermittel nicht mehr bezahlen können. Der erstklassige Veredelungsstandort Deutschland gerät in Gefahr.
Die enorme „Sogwirkung“ großer Biogasanlagen ist bekannt und wurde durch verschiedene Studien nachgewiesen. Das geplante EEG verstärkt diese Effekte, weil es die sowieso bestehenden Kostenvorteile der großen Biogasanlagen noch mit einer besseren Einspeisevergütung belohnt. 1-2 Megawatt(MW)-Biogasanlagen können schon heute laut Berechnungen anerkannter Universitäten über 60 €/T Mais bezahlen. Unsere Kollegen berichten aus Biogasregionen von Pachtpreise jenseits der 1.000 Euro/ha. Neupachten sind nicht mehr zu generieren und bestehende Pachtverhältnisse werden zunehmend von den Verpächtern gekündigt, um über einen Neupachtvertrag in das Biogas-Niveau zu gelangen. Wer gewinnt mittel- und langfristig, wenn z.B. ein 100 Kuh- Betrieb nach Abzug der Privatentnahmen von ca. 50.000-55.000 € noch ca. 1.5000 € Eigenkapitalzunahme hat, während die 500 KW Biogasanlagen nach Abzug der Privatentnahmen noch 150.000-160.000 € Eigenkapital per anno bilden? Bei diesen Preisen wird ein Großteil der Betriebe in der Veredlungswirtschaft die Tore schließen müssen. Zu Recht werden auch die ökologischen Auswirkungen der MW-Biogasanlagen immer kritischer gesehen. In der Bevölkerung schwindet die Akzeptanz der MW-Biogasanlagen, weil deren Substrateinzugsradius von > 40-60 km erhebliche Verkehre nach sich zieht und landwirtschaftliche Produktion zur Energiegewinnung ethisch sehr differenziert bewertet wird.
Alleinige Gewinner des aktuellen EEG-Entwurfs sind nach unserer Einschätzung "inaktive“ Landeigentümer, Energiekonzerne und Großanlagenbauer. Die dezentrale Biogaserzeugung in regional angepassten Strukturen ist hingegen eine Chance für Viele. Der ländliche Raum profitiert, wenn die verfolgten Energiekonzepte nachhaltig sind und die Wertschöpfung aus Biogas und anderen regenerativen Quellen in der Region verbleibt! Darum brauchen wir eine deutliche Staffelung bzw. Degression der Einspeisevergütung bei Biogas. Wir schlagen eine Besserstellung der Einspeisevergütung unterhalb der 500 KW- Anlagen im 1-2ct Bereich vor, die oberhalb 500KW aufgrund der bestehenden Kostendegression bei größeren Anlagen dort abzuziehen sind (1ct bei 500-1000 KW; 2ct > 1MW). Ebenso sollte bei den Rohstoffklassen 1 und 2 verfahren werden, deren Einteilung + Zugehörigkeit auch sensibel überdacht sein sollte. Eine Beschränkung des Getreide- und Maiseinsatzes verschärft die Flächenkonkurrenz für Veredelungsbetriebe zusätzlich. Dringend benötigt werden auch Kooperationsanreize für den Bau von Biogasanlagen zwischen nahe gelegenen landwirtschaftlichen Betrieben. Verfolgt werden sollte auch die gezielte Förderung von güllebasierter Anlagen, um das in der Gülle natürlich vorhandene Gaspotential flächenneutral und direkt vor Ort energetisch zu verwerten.
Völlig unverständlich erscheint uns ferner, dass die selbstgenutzte alternative Stromgewinnung keinerlei Anreize erfährt. Auf unseren Höfen sind die Ressourcen Wind, Sonne und Biomasse nahezu unbegrenzt vorhanden, die wir energetisch auch zur Selbstversorgung einsetzen können. Allein was fehlt, ist eine unkomplizierte Einspeisungsregelung für die Reststrommengen. Die Dänen machen uns vor, wie dezentral und vor allem Stromnetz entlastend, regenerativer Strom erzeugt werden kann. Eigenstromerzeuger können dort Reststrommengen bis zur Höhe von 75.000 KW pro Jahr ins Netz einspeisen, der Stromzähler läuft dann einfach rückwärts. Am Jahresende wird abgerechnet. Warum soll dieses große landwirtschaftliche Potential ungenutzt bleiben?
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