Wer hat Schuld am niedrigen Milchpreis?

Ist tatsächlich die Agrarpolitik auf Länder und EU-Ebene dafür verantwortlich, dass die Preise fallen? Die im letzten Jahr beschlossene Erhöhung der Milchquoten um 2,5 % sei schuld an der Milchkrise, behaupten einige. Dieses Argument aber greift nicht: Die Quotenerhöhung wurde zwar beschlossen, die Mehrmenge wird aber von den Milcherzeugern gar nicht produziert.
Tatsächlich zeichnet sich auf EU-Ebene eine Unterlieferung der Milchquote um ca. fünf Mio. Tonnen ab (Quelle ZMP).
Auch in Deutschland wir die Milchquote nicht voll produziert.
Das Ungleichgewicht entsteht vielmehr durch eine verstärkte Weltmilchproduktion (Zuwächse in USA, Schweiz, Kanada, Australien, Russland, Argentinien) in 2008 und eine verringerte Nachfrage aufgrund der Weltwirtschaftskrise.



Milchreferentin Monika Wohlfahrt, ZMP, sieht das so:

Im Lauf von 2008 ist der Milchmarkt zunehmend ins Ungleichgewicht geraten, was sich in Form sinkender Preise bemerkbar macht. Die Preise für Milchprodukte haben weiter von der Hausse des Jahres 2007 gezehrt und waren vor allem in der ersten Jahreshälfte auf vergleichsweise hohem Niveau.
Dieses höhere Preisniveau hatte auf der Angebots- wie auch auf der Nachfrageseite eine Reihe von Auswirkungen.
Die höheren Milcherzeugerpreise haben die Milchproduktion und damit das Angebot stimuliert. Gleichzeitig mussten die Verbraucher und Verwender höhere Preise anlegen, was dazu geführt hat, dass die Nachfrage langsamer stieg als in den Vorjahren oder sogar zurückging. Diese Effekte waren von Region zu Region unterschiedlich stark ausgeprägt. Sie haben aber insgesamt zu einem Angebotsüberhang und der neuerlichen Bildung von Beständen geführt und üben derzeit Preisdruck aus. Inzwischen zeigen sich erste Anzeichen, dass das Wachstum der Erzeugung kleiner wird und die Nachfrage wieder zunimmt, die allerdings noch nicht ausreichen, um wieder ein Marktgleichgewicht herzustellen.

Mehr Hintergrundinformationen zur Entwicklung des Milchmarktes 2007-2009:

Verändertes Umfeld

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In 2007 stiegen die Auszahlungspreise für Mich in nie gekannter Geschwindigkeit, um in 2008 genau so schnell wieder abzustürzen. Diese neue Erfahrung hat viele Milchbauern verunsichert. Wie kann so etwas mit rechten Dingen zugehen? Nachdem die EU sämtliche Interventionsmaßnahmen eingestellt hat, spüren wir die Schwankungen am Weltmarkt unmittelbar. Relevant ist hierfür das weltweit gehandelte Milchpulver. Ein schlechter Milchpulverpreis beeinflusst andere Verwertungsschienen negativ. Ist der Pulverpreis schlecht, versuchen die Verarbeiter möglichst viel Milch in andere Verwertungen wie z.B. Frischeprodukte und Käse umzuleiten. Die Kapriolen des europäischen Milchmarktes haben viele Ursachen und werden in diesem Artikel veranschaulicht:
ZMP Jahresbericht „Stärkere Preisschwankungen“ von Monika Wohlfarth, Seite 8 und 9.





Europäische Milchwirtschaft

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Die EU- Milchpolitik wird von 27 Staaten getragen. Alle Entscheidungen basieren auf Kompromissen. Einige Staaten wünschen sich bis zum Auslaufen der Quote in 2015 eine sehr schnelle jährliche Erhöhung der Milchquote (Italien, Holland, Polen, Tschechien, Ungarn, Baltische Staaten) andere Staaten wie Deutschland und Österreich lehnen Quotenerhöhungen zum jetzigen Zeitpunkt ab. Mit den jüngsten Beschlüssen der EU-Kommission wurde deutlich, dass am Auslaufender Milchquote 2015 fest nicht gerüttelt wird. Die Entwertung der Quote wird durch die neuerliche Aufstockung der Milchquote um jährlich 1 % und die Veränderung der Fettkorrektur vorangetrieben.

Deutlich wird das in der ZMP-Ausarbeitung von M. Wohlfarth: Milchmarkt - Aktuelle Lage und Ausblick (pdf-Datei)




Das kommt auf uns zu

In 2015 läuft die Milchquotenregelung aus. Die EU-weite Erhöhung der Milchquoten führt zu deren Entwertung. Wir erwarten sinkende Milchbörsenpreise. Das ist konsequent und führt zur erwünschten Kostensenkung für aktive Milcherzeuger. Eine schrankenlose Milchproduktion wird es dennoch nicht geben. Dafür sorgt ein dichtes Regelungswerk (z. B. CC) für Milcherzeuger und die endlichen Ressourcen an Fläche, Kapital und Arbeitskraft. Die Milchproduktion wird innerhalb Europas in klimatisch geeignete Gründlandregionen wandern. Dort wo es genug Niederschläge gibt und die Flächenkonkurrenz erträglich bleibt, wird auch künftig Milch produziert. In benachteiligten Gebieten brauchen die Milcherzeuger eine finanzielle Anerkennung ihrer landschaftspflegerischen Arbeiten. Über den Milchauszahlungspreis lassen sich diese zusätzlichen Leistungen für die Bevölkerung und den Tourismus nicht ausgleichen. Hier müssen die Milchbauern um die Akzeptanz in der Gesellschaft kämpfen und brauchen klare politische Aussagen.

Chancen

Keiner will auf Dauer für 25 Cent Milch produzieren, wir auch nicht. Die aktuelle Situation auf dem europäischen Milchmarkt hat viele Gründe. Wie gehen wir damit um? Jede Krise birgt auch eine Chance, seine Betriebsform und Wirtschaftsweise zu überdenken. Nicht alle Betriebsleiter werden die Milchproduktion fortführen. Familiäre, gesundheitliche und wirtschaftliche Gründe geben meistens den Ausschlag, sich von den Kühen zu trennen. Auch darin kann eine Chance zu einem Neubeginn liegen. Wer dabei bleiben will, muss daran arbeiten, dass unsere Höfe und Molkereien vorankommen. Unsere Überzeugung ist, dass wir nicht nach Sündenböcken suchen, sondern zuerst bei uns selbst beginnen, um etwas positiv zu verändern. Es gibt noch viel zu tun, um die deutschen Betriebe wettbewerbsfähiger zu machen. Wir reden nicht einem unbegrenzten Wachstum das Wort, sondern sprechen von der Verbesserung der Rentabilität. Das gilt für Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe gleichermaßen. Wenn z.B. nur 20 – 30 % der Milchviehbetriebe regelmäßig Beratung in Anspruch nehmen oder an einem Beratungsring teilhaben, offenbart sich enormer Fortbildungsbedarf. Die Unterschiede in der Qualität der Milchviehhaltung sind von Bundesland zu Bundesland groß, das zeigt sich z.B. an den durchschnittlichen Milchleistungsergebnissen (Niedersachsen 8.500 kg – Baden-Württemberg 6.000 kg). Regelmäßiger Erfahrungsaustausch, Fortbildung, Spaß an der Arbeit mit Kühen und Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem sollten für alle Betriebsleiter selbstverständlich sein. Wer eine Chance ergreifen will, muss sie zunächst als solche erkennen.

Optimistisch

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Video ZDF Jägerhof.
Ja, wir blicken optimistisch in die Zukunft. Das bedeutet nicht, dass wir die Entwicklungen am Milchmarkt durch eine rosa Brille sehen und uns die Welt zurecht schönen. Aber wie heißt es so schön: „Das Glas ist entweder halb voll oder halb leer.“ Wir bestreiten nicht, dass die aktuelle Lage am Milchmarkt schwierig ist. Die konjunkturelle Krise erfordert von allen Unternehmern besondere Leistungen ab. Wir stehen nicht alleine vor dieser Herausforderung, eine Durststrecke zu überstehen.






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Die Mehrproduktion von Milch in der EU in Höhe von ca. 1,1 Mrd. Kg trifft auf einen nachlassenden Konsum. Hierzu: Schaubild ZMP Milchpreis und Verbrauch. Kurzfristige Abhilfe kann nur durch ein Anziehen des Verbrauchs geschaffen werden. Daran müssen wir gemeinsam mit Handel und Molkereien arbeiten. Gleichzeitig werden die Milcherzeuger nach aller Erfahrung auf den niedrigen Milchauszahlungspreis mit Bestandsselektion und Ausstieg aus der Produktion reagieren. Die Anpassung der Milchproduktion erfolgt zeitverzögert.





Haushalte kaufen weniger Milch bigger
ZMP-Tabelle:Haushalte kaufen weniger Milchprodukte.

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