Milchstreik - was hat er wirklich gebracht ?
In der Öffentlichkeit wird stets betont, dass der "Lieferstopp" auf jeden Fall erfolgreich gewesen sei. Von den Befürwortern des Milchstreiks werden die nachfolgende Punkte immer wieder beschworen.Wir setzen uns mit den Ergebnissen nüchtern auseinander:
1. Milchlieferstopp hat verhindert, dass die Preise weiter gesunken sind
Tatsache ist, dass die vom BDM propagierte
Preiserhöhung bei den Erzeugern ausgeblieben ist.
Noch während des Milchstreiks wurden
Rechenbeispiele angeführt wie "Wenn wir
10 Tage streiken, reichen 1 ct Preiserhöhung,
um den Verlust wieder wett zu machen" um damit dem
letzten "Streikverweigerer" klar zu machen, dass
der Streik die Lösung des Problems sei.
Eine Preiserhöhung ist nicht eingetreten.
Im Gegenteil: Aufgrund der Absatzprobleme auf dem Weltmarkt für EU-Milchprodukte (Dollarkurs, weltweit rückläufige Konjunktur) sinken die Milchpreise. Der Milchlieferstopp in Deutschland hat daran gar nichts geändert. Dazu sind die ausgefallenen Milchmengen angesichts der Europäischen und Weltweiten Mengenströme nur marginal.
Auf der anderen Seite geraten die Molkereien unter Druck gegenüber dem LEH, weil die Liefersicherheit der Molkereien angezweifelt wird. Angesichts der Tatsache, dass derzeit trotz Quotenunterlieferung zuviel Milch auf dem Markt ist, ein katastrophales Argument zugunsten der Einkäufer aus dem LEH.
Eine Preiserhöhung ist nicht eingetreten.
Im Gegenteil: Aufgrund der Absatzprobleme auf dem Weltmarkt für EU-Milchprodukte (Dollarkurs, weltweit rückläufige Konjunktur) sinken die Milchpreise. Der Milchlieferstopp in Deutschland hat daran gar nichts geändert. Dazu sind die ausgefallenen Milchmengen angesichts der Europäischen und Weltweiten Mengenströme nur marginal.
Auf der anderen Seite geraten die Molkereien unter Druck gegenüber dem LEH, weil die Liefersicherheit der Molkereien angezweifelt wird. Angesichts der Tatsache, dass derzeit trotz Quotenunterlieferung zuviel Milch auf dem Markt ist, ein katastrophales Argument zugunsten der Einkäufer aus dem LEH.
2. Der Milchstreik hat sich einzelbetrieblich gelohnt
Tatsache ist, dass in Deutschland immerhin rund 260 Mio. Liter Milch weggeschüttet wurden.
Wenn man davon ausgeht, dass die Milch im Laufe des Jahres nachproduziert wird, dürfen nur die variablen Kosten als Schaden für den Landwirt selbst angesetzt werden.
Diese liegen etwa bei 15 ct. Damit ist der deutschen Milchwirtschaft allein aus der Vernichtung der Produktion ein Schaden in Höhe von rund 40 Mio. Euro entstanden.
Betriebe müssen sich ehrlich fragen, wo die 4-5stelligen Eurobeträge bleiben, die sie in die Vernichtung ihrer Produktion gesteckt haben.
Dazu kommt, dass Märkte weggebrochen sind, die aufgrund des zweiwöchigen Lieferstopps nicht mehr bedient werden konnten.
Der Versandhandel nach Italien wurde stark gestört. Die stark wachsende Milchproduktion Frankreichs hat sich hier die Abnehmer gesichert.
In der Streikwoche flossen 60 Mio. kg Milch aus Frankreich nach Italien. Der Schaden der durch weggebrochene Marktbeziehungen entstanden ist, lässt sich noch gar nicht beziffern, wird aber in den Ergebnissen der Jahresabschlüsse der Molkereien für 2008 und dem sinkenden Milchpreis der nächsten Monate zu spüren sein.
3. Der Milchstreik hat dem Verbraucher gezeigt, wie wichtig das Lebensmittel Milch ist
Fakt ist, dass die spürbarsten Auswirkungen des
Milchstreiks im Lebenseinzelhandel die Verkündigung
der LIDL-und ALDI- Preiserhöhungen waren.
Am Wochenende vor dem 9. Juni, ab dem die Preiserhöhungen von 10 ct je Liter Milch gelten sollten, wurden die LIDL und ALDI - Märkte förmlich gestürmt von Verbrauchern, die sich vorher noch mit billiger Milch eindecken wollten.
Zwischenzeitlich gelten wieder die Preise von vor dem Streik. Verbraucher zeigen auf Nachfragen zwar Verständnis für die Milchbauern, dieses Verständnis wandelt sich aber nicht in Einkaufsverhalten um.
Am Wochenende vor dem 9. Juni, ab dem die Preiserhöhungen von 10 ct je Liter Milch gelten sollten, wurden die LIDL und ALDI - Märkte förmlich gestürmt von Verbrauchern, die sich vorher noch mit billiger Milch eindecken wollten.
Zwischenzeitlich gelten wieder die Preise von vor dem Streik. Verbraucher zeigen auf Nachfragen zwar Verständnis für die Milchbauern, dieses Verständnis wandelt sich aber nicht in Einkaufsverhalten um.
4. Dem LEH konnte die Macht der Milcherzeuger demonstriert werden
Der Lebensmitteleinzelhandel steht im September
angesichts der hohen
aktuellen Milchüberschüsse (trotz nur 94 % -
Quotenbelieferung) mit der Drohung da, Milch aus
dem europäischen Ausland zu beziehen.
Hintergrund ist nicht zuletzt der Zweifel an der Liefersicherheit deutscher Molkereien. Zum anderen ist der LEH sehr verärgert über die anhaltende Negativpresse während und des Streiks und vor dem Milchgipfel.
Insbesondere die Discounter wurden zum Sündenbock für niedrige Milchauszahlungspreise gemacht. Hier wurde viel Porzellan zerschlagen. Das Vertrauen zwischen unseren wichtigsten Vertragspartnern LEH, Molkereien und den Bauern auf der anderen Seite ist nachhaltig gestört. Fakt ist, dass der LEH bei den aktuell hohen Milchanlieferungen und einem schwachem Pulvermarkt seine Chance nutzen wird.
Markige Presseerklärungen und weitere Drohungen werden daran nichts ändern.
Marktmacht hat nichts mit "gefühlter Stärke" oder "Verhandlungen auf Augenhöhe" sondern mit günstiger Kostenstruktur, Liefersicherheit, Qualität, Menge und Nachfrage zu tun. Der Milchstreik hat hier einiges durcheinander gebracht.
Hintergrund ist nicht zuletzt der Zweifel an der Liefersicherheit deutscher Molkereien. Zum anderen ist der LEH sehr verärgert über die anhaltende Negativpresse während und des Streiks und vor dem Milchgipfel.
Insbesondere die Discounter wurden zum Sündenbock für niedrige Milchauszahlungspreise gemacht. Hier wurde viel Porzellan zerschlagen. Das Vertrauen zwischen unseren wichtigsten Vertragspartnern LEH, Molkereien und den Bauern auf der anderen Seite ist nachhaltig gestört. Fakt ist, dass der LEH bei den aktuell hohen Milchanlieferungen und einem schwachem Pulvermarkt seine Chance nutzen wird.
Markige Presseerklärungen und weitere Drohungen werden daran nichts ändern.
Marktmacht hat nichts mit "gefühlter Stärke" oder "Verhandlungen auf Augenhöhe" sondern mit günstiger Kostenstruktur, Liefersicherheit, Qualität, Menge und Nachfrage zu tun. Der Milchstreik hat hier einiges durcheinander gebracht.
5. Der Milchstreik hat eine nie gekannte Solidarität zwischen den Milchviehhaltern gebracht
Dieses Argument hat mit der infolge eines
gruppendynamischen Prozesses
entstandenen "gefühlten Stärke" zu tun.
Tatsache ist, dass die beschworene "Solidarität"
eine Solidarität gegen andere ist.
Mit dazu beigetragen haben die rhetorisch geschickten Vorträge der BDM Vertreter, in denen sie Formulierungen wie "Wir haben die Macht !" unters Volk gebracht und begründet haben.
Viele haben sich auf diese Formulierungen eingelassen. Sie verstanden sich als Teil einer Bewegung, in der die Argumente für oder gegen eine Aussage zurückgestellt und nur "das Handeln" im Vordergrund gestanden hat.
In der Geschichte lassen sich immer wieder solche Beispiele nachvollziehen. Von den „Mitgerissenen“ selbst ist oft der Vergleich mit den „Bauernkriegen“ gezogen worden. Es hilft hier, sich zu erinnern, was der Erfolg von Bewegungen war, die in einer Übereuphorie den Gemeinschaftsgeist beschworen haben und allesamt im Untergang geendet sind.
Auswüchse der Milchstreik-Bewegung und des euphorischen Machtgefühls sind Ansprüche, wonach der BDM für sich reklamiert, für alle Milchviehhalter zu sprechen, wissenschaftlich begründete und vorgebrachte Argumente gar nicht diskutiert und von vorneherein ausgeschlossen werden.
Ebenfalls Wesen dieser gruppendynamischen Bewegung ist die Überzeugung, Demokratie sei, wenn mit großer Mehrheit gefasste Beschlüsse einer in sich homogenen Gruppe zu Allgemeingut erklärt werden, diese zu Dogmen erhoben und von vorneherein außerhalb jeder Diskussion stehen.
Mit dazu beigetragen haben die rhetorisch geschickten Vorträge der BDM Vertreter, in denen sie Formulierungen wie "Wir haben die Macht !" unters Volk gebracht und begründet haben.
Viele haben sich auf diese Formulierungen eingelassen. Sie verstanden sich als Teil einer Bewegung, in der die Argumente für oder gegen eine Aussage zurückgestellt und nur "das Handeln" im Vordergrund gestanden hat.
In der Geschichte lassen sich immer wieder solche Beispiele nachvollziehen. Von den „Mitgerissenen“ selbst ist oft der Vergleich mit den „Bauernkriegen“ gezogen worden. Es hilft hier, sich zu erinnern, was der Erfolg von Bewegungen war, die in einer Übereuphorie den Gemeinschaftsgeist beschworen haben und allesamt im Untergang geendet sind.
Auswüchse der Milchstreik-Bewegung und des euphorischen Machtgefühls sind Ansprüche, wonach der BDM für sich reklamiert, für alle Milchviehhalter zu sprechen, wissenschaftlich begründete und vorgebrachte Argumente gar nicht diskutiert und von vorneherein ausgeschlossen werden.
Ebenfalls Wesen dieser gruppendynamischen Bewegung ist die Überzeugung, Demokratie sei, wenn mit großer Mehrheit gefasste Beschlüsse einer in sich homogenen Gruppe zu Allgemeingut erklärt werden, diese zu Dogmen erhoben und von vorneherein außerhalb jeder Diskussion stehen.
6. Keiner wurde zum Streik gezwungen - Nötigung hat nicht stattgefunden
Es ist wohl richtig, dass von der BDM-Spitze
kein Druck auf Nichtstreikende ausgeübt wurde. Der
bereits im vorigen Punkt geschilderte
gruppendynamische Prozess hat aber - nachweislich
und unwiderlegbar - zahlreiche Eiferer, die ihre
Motivation aus den vermittelten "Machtpositionen"
bezogen haben, dazu gebracht, Berufskollegen zu
drohen.
Diese Drohungen gingen von Sachbeschädigungen bis hin zu angedrohten Brandstiftungen und angekündigter Körperverletzung. Kinder von nichtstreikenden Landwirten wurden von Kindern streikender Berufskollegen angepöbelt, Bauernverbandsvertreter werden heute noch aufs übelste beschimpft - auch hier gibt es Beispiele wie Schulkinder aufgrund der Aktivität ihrer Eltern im Bauernverband in Schulbussen übel angegangen oder im Klassenverband ausgegrenzt wurden.
Lohnunternehmern und Landhändlern wurde angekündigt, dass bei Weiterbelieferung oder Dienstleistung für Nichtstreikende oder Nicht-BDM-Mitgliedern zukünftig Aufträge entzogen würden, Verpächter wurden aufgefordert, Grundstücke zu kündigen, weil die Pächter nicht dem BDM angehören oder Gegenpositionen vertraten, andernfalls würden sie die „Macht der Milchbauern“ zu spüren bekommen. Milchwagenfahrer und Molkereimitarbeiter wurden beschimpft und diffamiert.
Alle diese Dinge sind vorgekommen. Das fortgesetzte Verharmlosen und Leugnen der Vorfälle durch BDM Funktionäre zeigt, dass es innerhalb des BDM keine Aufarbeitung der unerfreulichen Begleiterscheinungen des Streiks gibt. Zwischenzeitlich scheint sich die Feindschaft in den Dörfern wieder zu entspannen. Es wäre Zeit für ein klares Wort der Verbandsspitze des BDM, das dazu aufruft, sich für diese Vorkommnisse zu entschuldigen und wieder auf den Kollegen zuzugehen.
Diese Drohungen gingen von Sachbeschädigungen bis hin zu angedrohten Brandstiftungen und angekündigter Körperverletzung. Kinder von nichtstreikenden Landwirten wurden von Kindern streikender Berufskollegen angepöbelt, Bauernverbandsvertreter werden heute noch aufs übelste beschimpft - auch hier gibt es Beispiele wie Schulkinder aufgrund der Aktivität ihrer Eltern im Bauernverband in Schulbussen übel angegangen oder im Klassenverband ausgegrenzt wurden.
Lohnunternehmern und Landhändlern wurde angekündigt, dass bei Weiterbelieferung oder Dienstleistung für Nichtstreikende oder Nicht-BDM-Mitgliedern zukünftig Aufträge entzogen würden, Verpächter wurden aufgefordert, Grundstücke zu kündigen, weil die Pächter nicht dem BDM angehören oder Gegenpositionen vertraten, andernfalls würden sie die „Macht der Milchbauern“ zu spüren bekommen. Milchwagenfahrer und Molkereimitarbeiter wurden beschimpft und diffamiert.
Alle diese Dinge sind vorgekommen. Das fortgesetzte Verharmlosen und Leugnen der Vorfälle durch BDM Funktionäre zeigt, dass es innerhalb des BDM keine Aufarbeitung der unerfreulichen Begleiterscheinungen des Streiks gibt. Zwischenzeitlich scheint sich die Feindschaft in den Dörfern wieder zu entspannen. Es wäre Zeit für ein klares Wort der Verbandsspitze des BDM, das dazu aufruft, sich für diese Vorkommnisse zu entschuldigen und wieder auf den Kollegen zuzugehen.
7. Es hat nie Aufrufe gegeben, aus dem Bauernverband auszutreten
Tatsache ist, dass in einzelnen Landkreisen, von
den örtlichen BDM-Vertretern auf BDM-Kopfbogen dazu
aufgerufen wurde, die Bauernverbandsmitgliedschaft
zu kündigen und vorgedruckte Kündigungsformulare
verteilt wurden.
In Folge dessen ist die Gesprächsbereitschaft zwischen Bauernverbänden und BDM Vertretern gegen Null gegangen. Der Versuch des BDM, Verbandsvertreter zu nötigen in dem Sinne: „ Entweder ihr übernehmt alle unsere Forderungen, oder wir treten aus“, musste scheitern. Der naheliegendste Grund liegt darin, dass eben nur eine Minderheit der deutschen Milchbauern, den BDM Weg will.
Zur Erinnerung: 70.000 Milchbauern von 100.000 Erzeugern sind nicht BDM Mitglied!
In Folge dessen ist die Gesprächsbereitschaft zwischen Bauernverbänden und BDM Vertretern gegen Null gegangen. Der Versuch des BDM, Verbandsvertreter zu nötigen in dem Sinne: „ Entweder ihr übernehmt alle unsere Forderungen, oder wir treten aus“, musste scheitern. Der naheliegendste Grund liegt darin, dass eben nur eine Minderheit der deutschen Milchbauern, den BDM Weg will.
Zur Erinnerung: 70.000 Milchbauern von 100.000 Erzeugern sind nicht BDM Mitglied!
Auf unserer Link/Download-Seite gibt es noch mehr Stoff zum Milchstreik
Den ganzen Text zusammenhängend gibt es hier!
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