Wir brauchen Markt - kein Milchkartell

Einige Milcherzeuger erhoffen sich die Rettung aus der Krise durch die Bildung eines Milchkartells. Möglichst alle deutschen bzw. europäischen Milcherzeuger sollen sich in einem
Verein namens Milch Board zusammenschließen, fordern z.B. der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e.V. (BDM), und die Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL). Dieses Milch Board soll einen für alle Mitglieder verbindlichen Mindestpreis für Rohmilch festlegen. Darüber hinaus will der BDM regeln, wer wie viel Milch produziert. Mit dem Instrumenten Milch Board und Mengensteuerung soll die Milchmenge der rund 1,6 Mio. Milchbauern Europas gesteuert und der Milchpreis auf hohem Niveau fixiert werden. Durch öffentlichkeitswirksame Aktionen soll auf Politiker Druck ausgeübt werden, um das geplante Kartell EU-weit zu legalisieren. Das Bundeskartellamt hat bereits seine Zweifel angemeldet, ob dieses Modell gesetzeskonform sei (pdf-Datei: Kartellamt zum Milchboard). Auch die Mehrheit der deutschen Milcherzeuger bleibt zu Recht skeptisch. Von rund 100.000 deutschen Milchbauern haben sich nur ein Drittel dem Milch Board angeschlossen.

fressgitter

Wir Milcherzeuger aus dem Netzwerk Unternehmen Milch treffen unsere Entscheidungen eigenverantwortlich und steuern unsere Milchmenge selbst. Dazu gehört auch, dass wir mit unseren Abnehmern selbst verhandeln, welche Milchmenge wir zu welchen Konditionen produzieren. Ein Milchkartell ist nicht nur rechtlich fragwürdig sondern in der praktischen Umsetzung eine bürokratische Veranstaltung auf Kosten der Milcherzeuger. Wir brauchen zur Anpassung der Milchmenge an den Markt keinen teuren Verwaltungsapparat. Bei niedrigen Erzeugerpreisen sinkt die Milchproduktion von alleine, weil dann vermehrt Betriebe aus der Milchproduktion aussteigen. Dieser Anpassungsprozess braucht Zeit und vollzieht sich nicht von heute auf morgen. Die notwendige Marktanpassung ist bereits in vollem Gange. Dafür gibt es handfeste Anhaltspunkte.

- Der Rückzug aus der Milchproduktion deutete sich bereits bei den letzten Terminen der Milchquotenbörse an. Der Börsentermin am 1. April z.B. war von einem deutlichen Anbieterüberhang gekennzeichnet. Die angebotene Milchmenge war doppelt so hoch wie die Nachfrage! Der Termin am 01.07.2009 brachte ein fast ausgeglichenes Verhältnis zwischen Anbietern und Nachfragern, so dass keine dramatischen Entwicklungen stattzufinden scheinen, siehe Kommentar.

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- Milcherzeuger weichen verstärkt auf Investitionen in Biogasanlagen aus. Insgesamt schätzt der Fachverband Biogas e.V., dass im Jahr 2009 rund 780 neue Biogasanlagen mit einer installierten elektrischen Gesamtleistung von mindestens 200 Megawatt (MW) errichtet werden. Zur Erzeugung dieser Gasmengen müssen Gärsubstrate auf einer Fläche von ca. 100.000 ha angebaut werden. Diese Anbauflächen gehen als Futtergrundlage für die Milcherzeugung verloren (Flächenwettbewerb).

- Von den gut 100.000 Milcherzeugern erreicht ein Drittel in den kommenden 10 Jahren das Rentenalter. 65 % aller Erwerbstätigen in der Landwirtschaft sind älter als 45 Jahre, davon sind knapp 30 % älter als 55 Jahre (Quelle LSV). Auf vielen dieser Betriebe wird die Milchviehhaltung mit dem Einstieg des Betriebsleiters in das Rentenalter beendet, weil Familienangehörige einen anderen Beruf nachgehen.

Mittel- und langfristig rechnen die Milcherzeuger mit wieder steigenden Preisen, wenn das Marktgleichgewicht erreicht ist. Die Wirtschaftskrise wird ihre Spuren in einem beschleunigten Produktionswandel hinterlassen. In Regionen, die aus landschaftspflegerischen Gründen durch Viehhaltung bewirtschaftet werden sollen, müssen die strukturellen und klimatischen Nachteile finanziell ausgeglichen werden.


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